Wie Sie mehr aus Ihrem Maschinenschutzsystem machen

Sybille Schumann, Produktmanagerin für das Datenerfassungs- und -verarbeitungssystem VIBROCONTROL 6000® von Brüel & Kjær Vibro, antwortet auf Fragen zum Upgrade von bestehenden Schutzsystemen für die Zustandsüberwachung mithilfe des neuen Condition Monitoring Interface VI-6080Condition Monitoring Interface VI-6080.

 
Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen in der Maschinenüberwachung?

Sybille Schumann: "Brüel & Kjær Vibro bietet Lösungen zum Schutz und zur Zustandsüberwachung von Rotationsmaschinen in den verschiedensten Branchen. Wir blicken auf 60 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Schwingungssensoren, Messgeräten und anlagenweiten Systemen zurück, die oftmals  auf der engen Zusammenarbeit mit Anwendern und Maschinenherstellern basiert. Außerdem bieten wir breit gefächerte Serviceleistungen an. Das alles dient dem Schutz des Maschinenparks,  der Verringerung von Ausfallzeiten sowie der Wartungskosten und erhöht die Maschinenzuverlässigkeit für unsere Kunden. Wir verfügen über ein weltweites Vertriebs- und Servicenetzwerk, um jederzeit und überall unsere Kunden unterstützen zu können."

Sie bieten sowohl Schutz- als auch Zustandsüberwachungssysteme an. Ist die Zustandsüberwachung nicht eine automatische Erweiterung des Schutzsystems?

Sybille Schumann: "Bei vielen Anlagen ist das sicherlich nicht der Fall. Die beiden Systeme sind unterschiedlich aufgebaut. Während Schutzsysteme die Maschinen vor Totalausfall bewahren, können sie ein unbeabsichtigtes und ggf. sehr kostspieliges Abschalten und den damit verbundenen Produktionsverlust kaum verhindern. Eine Zustandsüberwachungsstrategie kann die Kosten einer Maschine über die Lebensdauer deutlich  verringern und gleichzeitig Instandhaltung und Produktion optimieren. So kann man das Schutzsystem mit einer Autoversicherung vergleichen, die zwar zwingend erforderlich ist, aber nicht ständig in Anspruch genommen wird und die auch kein spezielles Fachwissen erfordert. Ein Zustandsüberwachungssystem wiederum kann  als unternehmerisches Werkzeug zur Optimierung der Anlagenrentabilität betrachtet werden. Es erfordert mehr Fachwissen und ist eine Option, die im Gegensatz zum Schutzsystem nicht automatisch in der Maschine eingebaut ist."

Wenn Zustandsüberwachungslösungen nun so viele Vorteile bereithalten, warum verwendet sie dann nicht jeder?

Sybille Schumann: "Es gibt nur einige Wenige, die die Vorzüge der Zustandsüberwachung anzweifeln, aber überraschenderweise gibt es sehr viele Anlagen, die in der Tat kein Zustandsüberwachungssystem besitzen. Viele Ingenieure und Instandhaltungsmanager von Rotationsmaschinen sind der Meinung, dass  die Expertise für Auswahl, Installation, Betrieb und Wartung dieser Systeme schwierig zu finden ist, auch wenn sie vom zusätzlichen Nutzen einer derartigen Investition überzeugt sind. Grund hierfür ist hauptsächlich ein mangelndes Verständnis der Zustandsüberwachungssysteme."

Sind Zustandsüberwachungssysteme in der Tat besser?

Sybille Schumann: "Zustandsüberwachungssysteme haben sich in den letzten 10 Jahren gravierend weiterentwickelt. Sie bieten heute mehr leistungsstarke Überwachungsfunktionen zur Früherkennung von Fehlern und eine zuverlässigere Fehlerdiagnose. Außerdem sind sie flexibler, intelligenter und einfacher zu bedienen. Dadurch verringern sich die Lebenszykluskosten der Maschinen und die Produktion wird optimiert. Brüel & Kjær Vibro hat in den letzten 20 Jahren Pionierarbeit in dieser Technologie geleistet. Compass 6000™, das Flaggschiff unserer Zustandsüberwachungsplattformen, bietet umfassende Überwachungs- und Diagnosefunktionen, die sowohl leistungsstark als auch skalierbar sind. Dadurch kann das System von Anfängern und erfahrenen Anwendern gleichermaßen für verschiedenste Applikationen eingesetzt werden. Und es kann innerhalb der Anlage mit zunehmender Überwachungserfahrung mitwachsen. Es sind viele zusätzliche Services verfügbar, die sicherstellen, dass Anwender mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz maximale Vorteile aus der Anwendung, Instandhaltung und Erweiterung des Systems ziehen."

Ok, das System ist vorhanden. Gibt es noch weitere Hürden bei der Umsetzung einer Zustandsüberwachungslösung?

Sybille Schumann: "Für viele Anlagen liegt die größte Hürde nicht in der tatsächlichen Auswahl, Bedienung und Instandhaltung eines Überwachungssystems, sondern in der anfänglichen Projektierungsphase für das Nachrüsten eines kompletten Zustandsüberwachungssystems zusätzlich zu einem bestehenden Schutzsystem. In den letzten Jahren gab es einige verschiedene Lösungsansätze hierzu. Jedoch war keiner davon besonders attraktiv für potentielle Anwender."

Wie sieht Ihre Lösung zur Überwindung dieser Hürden aus, sodass ein anlagenweites Zustandsüberwachungssystem eingesetzt werden kann?

Sybille Schumann: "Brüel & Kjær Vibro hat erst vor kurzem eine bemerkenswert einfache Lösung für diesen Bedarf  entwickelt. VI-6080 ist eine neue Schnittstelle, die Messdaten über die gepufferten Ausgänge von einem oder mehreren bestehenden, API-670-kompatiblen Schutzsystemen einholt und diese mit der Zustandsüberwachungsplattform Compass 6000™ verknüpft. Es sind keine zusätzlichen Schaltschränke oder Verkabelungen erforderlich! Compass 6000™ verarbeitet diese Daten dann automatisch für die Zustandsüberwachungsprognose und -Speicherung und stellt gleichzeitig Tools für Diagnose, Visualisierung und Berichterstattung zur Verfügung."

Was ist mit Maschinen ohne Schutzsystem, für die aber eine Zustandsüberwachung als wichtig erachtet wird?

Sybille Schumann: "Hilfsaggregate, die über kein Maschinenschutzsystem verfügen, jedoch hinsichtlich vorausschauender Instandhaltung wichtig sind, können  ebenso in das Zustandsüberwachungssystem integriert werden. Dazu werden zusätzliche Sensoren installiert, deren Signale über das VI-6080 direkt an Compass 6000™ gesendet werden. In jedem Fall können die Vorteile eines umfassenden, anlagenweiten Zustandsüberwachungssystems genutzt werden, indem man ganz einfach das Interface VI-6080 an die gepufferten Ausgänge des bestehenden Schutzsystems oder an Sensoren anschließt und die Datenin Compass 6000™ integriert."

Kann Ihre Lösung wirklich für alle bestehenden Schutzsysteme angewendet werden?

Sybille Schumann: "Ja, für alle API-670-kompatiblen Schutzsysteme mit gepuffertem Ausgang. Selbst wenn die Anlage über Maschinen mit speziellem OEM-Schutzsystem verfügt  und andere Maschinen mit einem anderen Fabrikat nachgerüstet wurden, ist das kein Problem für uns. Wir können die Anlage trotzdem mithilfe der Schnittstelle VI-6080 auf eine Zustandsüberwachung mit Compass 6000™ aufrüsten. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass es zwar durchaus in Ordnung sein kann, wenn eine Anlage mit unterschiedlichen Schutzsystemarten ausgestattet ist, wir aber ein einheitliches Zustandsüberwachungssystem für die gesamte Anlage empfehlen. Dadurch werden eine einheitliche Funktionalität wie zum Beispiel Systemkonfiguration sowie Überwachungs- und Diagnosefunktionen gewährleistet. Das führt letztendlich zu zuverlässigeren Instandhaltungsentscheidungen aufgrund der einheitlichen Zustandsüberwachungsdaten."

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